Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Hier kommen die Probleme mit den Motoren rein

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MKDTueftler
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von MKDTueftler »

Hallo,

leider konnten die von 27432Elm beschriebenen Probleme des MKD 142 bisher nicht gelöst werden.
Zusammen mit ein paar erfahrenen Motorenliebhabern arbeite ich seit einigen Wochen an dem Deutz, um endlich dieses Stück Ingeneurskunst seiner Bestimmung nachkommen zu lassen, dem Laufen und evtl. der Arbeit an den Mühlensteinen.

Da uns der MKD immer noch vor Herausforderungen stellt, habe ich mir hier angemeldet und möchte ich noch einmal das Wissen der Experten hier nutzen, um evtl. die entscheidenden Ideen und Ratschläge zu erhalten.

Kurz zum aktuellen Stand:
Der Motor startet über die Druckluft einwandfrei und dreht mit Hilfe des Lufttanks leichtgängig bis zu 5 min. Leider baut der auf 15 bar vorgespannte Kompressor nicht die erforderlichen 45 Bar auf, um die Brennstoffpumpe zuzuschalten, sondern verliert Druck und bleibt konstant auf 5-10 Bar.

In der Zwischenzeit haben wir einen Blindstopfen auf den Ausgang der Luftpumpe gesetzt und mit wenigen Umdrehungen stieg der Druck am Manometer auf 75 Atmosphären. Die Luftleitung wurde gereinigt und es fiel der Verdacht, auf die Brennstoffnadel. Das diese nicht schließt (Da sich der Zylinder teilweise beim Vorspannen anfing zu drehen) und zudem undicht ist (Starke Blasenbildung mit Lecksuchspray). Nach dem Einschleifen und Verpacken der Nadel ist die Funktion wieder hergestellt und es entweicht keine Luft.
Dennoch steigt der Druck am Manometer der Luftpumpe nicht. Alles unverändert.


Gibt es weitere Ideen, woran es liegen könnte? Wo wir nach Ursachen suchen könnten? Wir sind über jede Unterstützung dankbar...

Sollten weitere Informationen, Dokumentationen oder Eindrücke benötigt werden, kann ich diese gerne zur Verfügung stellen.

Beste Grüße
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Rik Lemmens
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von Rik Lemmens »

Hallo MKD Freund
Trennen Sie zunächst die Auslassleitung vom Kompressor, Schließen Sie einen externen Kompressor (8 Bar) an diese Leitung an.
Stellen Sie den externen Kompressor in einem anderen Raum auf, damit Sie undichte Geräusche hören können.
Der Motor läuft nicht, sodass Sie besser hören können, wo sich das Leck befindet.
Die Injektornadel sollte sich erst beim Übergang vom Start zum Laufen öffnen.
Überprüfen Sie auch, ob die Ventile der Kraftstoffpumpe geschlossen sind (keine Undichtigkeiten), hier konnte er zurückblasen.
Viel Glück und lassen Sie uns hören, was das Ergebnis ist.
Grüße von den südlichen Nachbarn (NL) Rik
deutzhelmi
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von deutzhelmi »

Guten Tag Herr Neumann
Ich habe eine Ersatzteilliste mit Bedienungsanleitung für den Deutz MKD, wo auch diverse Störungen beschrieben sind.
Es ist die Drucksache D8000 gedruckt am 5.1920.
Sollten Ihnen diese Unterlagen nicht schon vorliegen kann ich sie gerne übermitteln.
Mit freundlichen Helmar Wischniewski
MKDTueftler
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von MKDTueftler »

Vielen Dank für die angebotene Hilfe und die guten Ideen.

Update:

Wir haben heute einen 8 Bar Kompressor angeschlossen und der aufgebaute Druck am Zylinderkopf blieb relativ stabil.

Dies führte uns noch einmal zu den beiden Ventilen der Hochdruckstufe der Luftpumpe. Die Pumpe erzeugt wie mehrfach erwähnt zur Zeit nicht den Druck zum Einspritzen (45 Bar). Da wir mit dem Blindstopfen direkt bis zu 70 Bar erreicht haben, waren wir von der Funktionalität ausgegangen.
Dies haben wir heute noch einmal in Frage gestellt, da der Motor sich beim Vorpannen der Niederdruckstufe, trotz zugedrehtem Drosselventil, kurz drehte. Trotz der noch minimalen Undichtigkeiten entstand kein Druck am Manometer im erneuten Startversuch.

Unsere Theorie: Das Saugventil der 2ten Verdichterstufe schließt nicht richtig, lässt die Luft aus der Niederdruckstufe in die zweite Stufe, wo diese das Druckventil auslöst und die Luft entweicht (+ das Motordrehen auslöst). Bei dem Versuch mit dem Blindstopfen haben wir die Ventilfunktion bzw. das Ventilzusammenspiel künstlich ausgetrickst, weshalb der Druckaufbau bei dem Versuch passte.

Im Anschluss haben wir die beiden Ventile ausgebaut, gesäubert, eingeschliffen und Korrosionsrückstände an der Ventilstange entfernt. Dabei sind jeweils dünne Metalldichtungen zwischen den Ventilen und den Ventilkappen sowie zwischen Ventil und Ventilsitz im Gusskörper aufgefallen, die komplett verformt waren und Späne gebildet hatten.

Diese sollen jetzt ersetzt werden, um am Wochenende die Ventile einzubauen und einen neuen Funktionstest durchzuführen.

Hierzu noch eine Frage: Können die defekten Dichtungen an dieser Stelle durch Kupferringe ersetzt werden? Oder sind weichere Aluringe (bzw. andere Materialien) für die Dichtigkeit der Ventile besser geeignet?

Für die bessere Orientierung habe ich Bilder von dem Druck- und Saugventil, dem Ventilsitz sowie den alten Dichtringen angehängt.

Vielen Dank im Voraus und Beste Grüße (auch in die Niederlande)
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Druck- und Saugventil.jpg
Defekte Dichtringe.jpg
Ventilsitz.jpg
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Rik Lemmens
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von Rik Lemmens »

Wir bewegen uns langsam in die Richtung.
Ein Kompressor mit undichten Ventilen kann immer noch den gewünschten Enddruck erreichen, aber!!Der Wirkungsgrad sinkt drastisch, so dass er seinen enddruck nicht aufbauen kann, sondern mit einem blinden Stopp, dann ist kein Volumen dahinter.
Kupferdichtungen sind gut, sofern sie geglüht sind (Glühend heiß erhitzen und schnell mit Wasser abkühlen lassen)
Ich würde auch empfehlen, die Ventile mit 250er Körnung zu läppen.
Das Merkwürdige an einem MKD ist, dass der hohe Druck auf nur gebaut beim Start, andere Motoren wie MAN haben den Hochdruck bereits gespeichert.
Ich habe ein wirkend Modell nach dem Vorbild von MAN gebaut.
Rik
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DSCF1458.jpg
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von MKDTueftler »

Update vom 16 Mai und neue Fragen:

Gestern haben wir uns noch einmal um die Ventile der Luftpumpe gekümmert und diese anschließend mit neuen geglühten Kupferringen eingebaut.

Leider hat auch dies nichts an der Funktionalität verändert. Die Luftpumpe erzeugt Luft, ohne jedoch Druck aufzubauen. Hier fällt das Auslassventil (Druckventil) an der Luftpumpe auf. Dieses wird durch eine sehr leichtgängige Feder gesteuert, die bereits bei minimalem Druck (1 Bar) das Ventil öffnet (Siehe Foto). Bei der Aufwärtsbewegung des Zylinders entweicht die Luft sofort und es entsteht keine Kompression.

Die Luft strömt zum Brennstoffnadelgehäuse und entweicht durch die Düse in den Zylinderkopf, sodass auch kein Druck in der Leitung entsteht. Die Luftpumpe pumpt ohne Widerstand!

Laut Betriebsanleitung benötigt der Motor für den Start 45 Atmosphären und unter Last sollen Drücke um die 70 Atmosphären erreicht werden!

Hierzu meine Verstädnisfrage: Muss das Druckventil auf der zweiten Verdichterstufe unempfindlicher sein, um Druck in der Hochdruckstufe aufbauen zu können und diesen erst bei einem gewissen Druck abzugeben? Also benötigen wir eine härtere Feder...

oder muss die Brennstoffnadel die Düse abdichten, dass keine Luft in den Motorraum entweichen kann, damit Druck in der Luftleitung entsteht und der Kompressor gegen diesen Widerstand arbeitet?

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Bild[/img][/img]
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Zeichnung Luftpumpe.jpg
Zeichnung Brennstoffnadelgehäuse.jpg
Druckventil 2.Stufe.jpg
dieselfritz
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von dieselfritz »

Brennstoffnadel muss dicht sein.
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Rik Lemmens
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von Rik Lemmens »

Was Dieselfritz sagt: Muss 100% dicht sein, nicht 99,9, 100%
Nur im Einspritzzeitpunkt , ich kenne die richtige Öffnung auch nicht, ich sch vermute 1 -1,5 mm ,In der Startsposition sollte sich die Nadel überhaupt nicht öffnen.
dieselfritz
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von dieselfritz »

Rik: genau wie Du sagst. Der Nadelhub bestimmt natürlich (zusammen mit der Nocke) Einspritz-Zeitpunkt und auch Einspritzdauer. Bei offenem Einlassventil, ohne Treibstoff und Fremdpressluft kriegt man das hin. Ich hatte ja mal für Dich gemessen: bei Augsburg DM Maschinen soweit ich mich erinnere wäre das -5/+34 bis 42 Grad. Man kann natürlich auch im Handbuch nachlesen.
DEUTZI
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Re: Deutz-Viertakter-MKD 142 - Baujahr 1914

Beitrag von DEUTZI »

Hallo zusammen!
Vor einiger Zeit restaurierte ich eine DEUTZ Einspritzpumpe, die ich dafür zerlegte. Ich fand einen Dichtungsring aus Blei, welcher auch so zerquetscht war, wie oben auf den Bildern. Dafür habe ich einen Rohling gegossen und danach bearbeitet, das war schon ziemlich kniffelig. Da der Motor noch nicht fertig ist, kann ich zu der Praxistauglichkeit noch nichts sagen.
Viele Grüße
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