Flachriemen "genäht"

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BUMI
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Re: Flachriemen "genäht"

Beitrag von BUMI » So 23. Jun 2019, 11:03

Moin, da komme ich der Sache schon näher. Nähriemen aus Rohhaut: Ungegerbt oder ungestreckt?? Nächste Rage: Nähriemen darf nicht über Lauffläche hinausstehen: gibt es in dem Buch Hinweise wie das handwerklich ausgeführt wird?
Gruß, Burgfried
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schmierlappe
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Re: Flachriemen "genäht"

Beitrag von schmierlappe » So 23. Jun 2019, 17:39

Hab nochmal nachgesehen, zum Nähen wird nirgens was genaues geschrieben.
Ich habe hier einen hochwertigen genähten Riemen aus einer Mühle, der sieht genau so aus wie eure. Aber die Stiche müssen mit einer Vorichtung oder gar einer Riemennähmaschine gemacht worden sein, weil sehr gleichmässig und die Stiche sind in Laufrichtung schräg durch das Material gestochen. Das kann keiner von Hand machen. Ich denke das der Riemen entprechend in der Riemenfabrik so angefertigt wurde. An einer Stelle ist ein kurzes Stück Riemen eingesetzt, da hat man zwei Harris-verbinder reingehauen, das wurde nachträglich gemacht.

Ich arbeite schon seit 30 Jahren mit alten Transmissionsmaschinen und hab schon viele Riemenverbindungen gemacht. Am schlechtesten sind Metallverbinder, egal ob Drahthaken, Anker oder Michalski, das Leder bricht immer direkt nach der ersten Biegestelle hinter dem Verbinder ab. Am besten sind geleimte Riemen, wie sie auch von Neuheit aus der Fabrik kommen. Dazu schärfe ich die Enden mit einer Rasierklingen- Bastelhobel an und klebe die mit Schuhkleber (Globus Baumarkt) zusammen. Kleber lange ablüften lassen und vorm kleben anwärmen. Dann schnell und heftig zusammenpressen und über Nacht gepresst im warmen liegen lassen. Funktioniert aber nur bei Riemen die noch nicht mit Öl vollgesogen sind.

Der Riemen auf dem Bild läuft seit 15 Jahren als gekreuzter Vorschubriemen auf 60mm Riemenscheibe an meiner Fräsmaschine.
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DEUTZI
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Re: Flachriemen "genäht"

Beitrag von DEUTZI » Mi 24. Jul 2019, 21:41

Hallo Burgfried,
der von dir gezeigte Riemen ist mit Pferderohhaut genäht. Die Schnitte werden von Hand mit einer Ahle eingestochen. wer es ordentlich machen will, nimmt ein Prickrad zum Anzeichnen der Stiche. Auf meinem Foto kann man so eine Naht sehen. Es ist Geschirrleder (für Zaumzeug, Sattel, Pferdegeschirr etc.) welches ich gereckt, geschäftet, mit Lederleim verleimt und genäht habe. Er treibt für einen Deutz 20,7 Liter von 1904 die Kühlwasserpumpe an.
Im LWL-Freilichtmuseum in Hagen in Westfalen kann man eine historische Riemenstreckmaschine sehen, steht draußen auf Schienen.
Ich habe noch 2 Bilder angehängt, die zeigen verschiedene Nähtechniken mit Pferderohhaut, hier an einer Sackschnalle. (Unter einem Mahlgang, der Schrotauslauf, wo der Mehlsack angehängt wird.) In dieser Nahttechnik wurden auch Pferdezuggeschirre genäht, teils mit sehr schönen Zierstichen.
In der Buchkopie hier weiter oben wird auch Naht mit Pechdraht genannt. Das ist der damals übliche starke Nähfaden der Sattler gewesen. Damit sind alle Nähte gemacht worden. Es ist ein gewachster Faden der an beiden Enden eine Nadel hat, der Faden wird bei jeder Nadel rückwärts in den gleichen Faden zurückgenäht, es sieht so aus, als wenn der Faden in die Nadel übergeht. Es wird dann jeder Stich mit einer Nadel von oben und mit der anderen von unten genäht. Siehe Internet: Pechdraht
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DEUTZI
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Re: Flachriemen "genäht"

Beitrag von DEUTZI » Fr 26. Jul 2019, 11:51

Noch ein kleiner Nachtrag, da wir gerade bei Rohhaut sind: Hier ein Inserat von 1905: Rohhautzahnräder
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BUMI
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Re: Flachriemen "genäht"

Beitrag von BUMI » Fr 26. Jul 2019, 16:44

Moin, Deutzi, Bilder sind zu sehen. hast Du den Riemen mit der Pferderohhaut genäht? Wenn ja: Wie bekommst Du den Streifen durch Stiche geschonen? Welchen Lederleim hast Du genommen?
Gruß, Burgfried
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