Neuzugang Sendling WS356 - diverse Fragen

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IHC824S
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Neuzugang Sendling WS356 - diverse Fragen

Beitrag von IHC824S » Di 24. Apr 2018, 21:14

Hallo zusammen,

ich habe mir heute mein neuestes Spielzeug - einen Sendling WS356 - gekauft und direkt abgeholt. Der Motor stand in Österreich und ist angeblich vor rund einem Jahr das letzte Mal gelaufen. Da es mein erster Benziner ist, hätte ich nun noch einige Fragen zum Motor:

1.: Hätte eventuell jemand eine Bedienungsanleitung für diesen Motor? Diese würde mir vermutlich schonmal einige der nachfolgenden Fragen beantworten.

2.: Der Motor wird ja bekanntlich mit Benzin (aus dem kleineren Tank) gestartet, nach dem Starten wird er mit Petroleum (aus dem größeren Tank) betrieben. Wie genau muss man beim Umschalten von Benzin auf Petroleum vorgehen und ab wann kann man den Motor letztendlich auf Petroleum laufen lassen?

3.: Sowohl Magnetzündung, als auch Vergaser besitzen eine "Startstellung" und eine "Betriebstellung". Ab wann muss bei den beiden Bauteilen jeweils auf "Betrieb" umgeschaltet werden?

4.: Auf dem Vergaser befindet sich ein kleines Drehrad mit den Zahlen 1-6 und den Stellungen "Auf" bzw. "Zu". Wofür ist dieses Rad gedacht? Kann damit die Drehzahl eventuell verstellt werden?

5.: Wie wird der Motor nach dem Betrieb abgestellt? Einfach den Kraftstoffhahn schließen?

6.: Gibt es hier unter euch jemanden, der mir eventuell den Vergaser komplett überholen und neu abdichten könnte?

7.: Offenbar fehlen Auspuff und Luftfilter, hätte diese beiden Bauteile noch jemand übrig und würde sie veräußern?

8.: Mein Motor hat die Nummer "64773", kann man anhand der Nummer eventuell irgendwie das Baujahr rückschlüsseln?

Ihr seht, Fragen über Fragen...
Vielleicht gibt es ja den ein oder anderen Spezialisten unter euch, der mir bei manchen Punkten etwas weiterhelfen könnte. Ich bin jedenfalls über alle Infos dankbar.

Viele Grüße
Sebastian
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Re: Neuzugang Sendling WS356 - diverse Fragen

Beitrag von motorenbau » Mi 25. Apr 2018, 08:09

Hallo

Zum Thema Sendling kann ich Dir ein paar Antworten geben:
  1. Ich kann Dir den Nachdruck einer Bedienungsanleitung anbieten, allerdings ist dort ein anderer Vergaser erklärt, als an Deinem Motor. (siehe hier)
  2. Wenn der Motor gut warmgelaufen ist (Kühlwasser kocht), dreht man zuerst (!) den Benzinhahn zu, dann den Petroleumhahn auf. Das funktioniert aber nur, wenn der Motor ausreichend belastet ist und dadurch heiß genug bleibt. Außerdem muss man Petroleum verwenden, das für den Motorenbetrieb geeignet ist. Das Lampenöl für Petroleumlampen, das es im Baumarkt usw. gibt, ist nicht geeignet. Daher mein Tipp: Lass ihn immer mit Benzin laufen und erspare Dir eine Menge Ärger. Das schadet dem Motor nicht, ganz im Gegenteil.
  3. Die Start- und Betriebsstellung am Vergaser ist der Choke. Zum Kaltstart den Choke halb bis ganz zumachen (je nachdem wie kalt es ist) und wenn der Motor angesprungen ist, langsam ganz öffnen (auf Stellung "Betrieb").
    Die Verstellung am Zündmagnet ist der Zündzeitpunkt. Zum Anlassen wird der Zündzeitpunkt nach "spät" verschoben, dann erfolgt die Zündung erst nach dem OT. So wird verhindert, dass der Motor "zurückschlägt", d.h. entgegen der vorgesehenen Drehrichtung läuft und Dir die Kurbel aufs Handgelenk haut. Sobald der Motor läuft, kann die Zündung auf "Betrieb" gestellt werden. Wenn man das nicht sofort macht, passiert auch nichts. Nur unter Last, sollte er dann spätestens auf Frühzündung ("Betrieb") stehen.
  4. Die Rändelmutter auf dem Vergaser ist die Hauptdüse. Je nach Kraftstoff kann man dort das Gemisch magerer und fetter einstellen. Meistens gibt es eine Markierung, z.B. einen Körner- oder Meißelschlag, wo die Standardeinstellung ist.
    - Knallt der Motor, oder schießt aus dem Vergaser, läuft er viel zu mager --> weiter aufdrehen.
    - Qualmt er, läuft er viel zu fett --> zudrehen.
    Die optimale Einstellung liegt irgendwo in der Mitte. Einfach ausprobieren, wie er am besten läuft...
  5. Wenn Du ihn vorübergehend abstellen willst, kannst Du vermutlich die Hauptdüse ganz zudrehen, dann müsste er ausgehen. Ich drehe an meinen Motoren immer den Sprithahn zu, dann ist der Vergaser fast leer, wenn er ausgeht. So kann man verhindern, dass die Vergaserdüsen durch alternden Sprit "zuwachsen". Nachteil: Der Motor geht nicht sofort aus.
  6. Zum Abdichten des Vergasers braucht man eigentlich nur etwas Dichtpapier (zum Flanschdichtungen selber schneiden) und Fiberringe. Was willst Du denn überholen? An dem Vergaser ist ja fast nichts dran. Der Schwimmer sollte schwimmen und der ganze Vergaser sollte innen sauber sein. Das Nadelventil kann man mit Schleifpaste wieder dicht bekommen, falls der Vergaser trotz schwimmendem Schwimmer überläuft. Evtl. ist die Drosselklappenwelle ausgeschlagen...
  7. Einen Luftfilter haben diese Motoren nicht. Stattdessen wird für den Petroleumbetrieb ein Metall-Spiralschlauch zum Auspuff geführt, damit er warme Luft ansaugt. Im Benzinbetrieb benötigt man das nicht.
    Bild
    Der Original-Auspuff ist aus Grauguss und bricht recht leicht ab. Deswegen fehlt er oft und ist recht schwer zu bekommen. Vielleicht hat Ludwig Preis einen für Dich. Er hat gerade was inseriert: https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anz ... 7-276-7473
  8. Nach meiner Liste müsste Dein Sendling Baujahr 1942 bis 1943 sein. Du kannst mal unter dem Zylinder in den Motorenblock gucken. Dort ist oft das Jahr eingegossen, in dem der Block gegossen wurde. Das Baujahr ist dann in der Regel 1-3 Jahre später. Die Gussteile wurden früher eine Weile liegen gelassen, damit sich Gussspannungen abbauen. Nach der Motornummer müsste Dein Motor eigentlich einen Solex-Vergaser vom Typ 26FHR haben, so wie im Bild oben. Der Vergaser mit verstellbarer Hauptdüse wurde an älteren Sendling-Motoren bis ca. 1935 verwendet.
Ich hoffe, das hilft Dir mal weiter.

Gruß
Christian

PS: Hast Du mich schonmal wegen dem Motor angeschrieben? Ich habe ihn schon mit dem falschen Vergaser un dem Hinweis "Mailzuschrift" in meiner Nummernliste gehabt.
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Re: Neuzugang Sendling WS356 - diverse Fragen

Beitrag von IHC824S » Mi 25. Apr 2018, 14:19

Hallo Christian,

vielen Dank für die wahnsinnig ausführliche Antwort!
Damit ist eigentlich schon so ziemlich alles beantwortet, und das gleich auf einmal!

Wegen der Bedienungsanleitung werde ich dir nachher gleich noch eine PM zukommen lassen, so eine werde ich auf jeden Fall nehmen.

Mein Vergaser hat das Problem, dass einerseits das Reglergestänge oben festgerostet ist, außerdem ist der Tupfer zum Vorpumpen ebenfalls fest. Ich denke daher, dass der Vergaser allgemein nicht mehr im besten Zustand sein wird, obwohl ich ihn noch nicht näher begutachtet oder geöffnet habe.

Den Ludwig habe ich gestern Abend noch angeschrieben, seine Anzeige habe ich zufällig gefunden. Einen Vergaser hat er vermutlich nicht mehr, allerdings hat er wohl noch einen Auspuff, von welchem er mir demnächst mal ein paar Fotos zukommen lassen wird. Wenn ich den Motor nur mit Benzin betreibe, brauche ich das Spiralrohr vom Auspuff ja eigentlich nicht. Schadet es dem Motor, wenn man das auch beim Benzinbetrieb verwendet? Denn dann wäre der Motor ja optisch komplett. Arbeiten muss der Gute bei mir ohnehin nicht, er wird nur von Zeit zu Zeit mal auf einem Treffen laufen gelassen.

Wenn der Vergaser nicht original ist, würde ich mir eventuell sogar überlegen, ihn gegen einen Originalen zu tauschen. Ich habe meine Maschinen immer gerne im Ursprungszustand, jedenfalls technisch. Daher werde ich mich einfach mal nach dem von dir genannten Vergaser umsehen, vielen Dank auch gleich für die Angabe der Bezeichnung!

Angeschrieben hatte ich dich bezüglich dem Motor noch nie, ich habe ihn gestern erst in Österreich abgeholt. Aber eventuell hat sich der Vorbesitzer schon einmal bei dir erkundigt? Er hatte mehrere Standmotoren, welche er nun allerdings nach und nach verkauft.

Viele Grüße und nochmals ein dickes "Dankeschön"
Sebastian
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Re: Neuzugang Sendling WS356 - diverse Fragen

Beitrag von motorenbau » Mi 25. Apr 2018, 15:55

IHC824S hat geschrieben:Wenn ich den Motor nur mit Benzin betreibe, brauche ich das Spiralrohr vom Auspuff ja eigentlich nicht. Schadet es dem Motor, wenn man das auch beim Benzinbetrieb verwendet? Denn dann wäre der Motor ja optisch komplett. Arbeiten muss der Gute bei mir ohnehin nicht, er wird nur von Zeit zu Zeit mal auf einem Treffen laufen gelassen.
Ich denke nicht, dass es schadet, den Motor ohne den Spiralschlauchg laufen zu lassen. Einen Luftfilter hatten die Motoren so oder so keinen. Die Spiralschläuche gäbe beim Schaltschrank-Bauer zu kaufen. Es wird vermutlich eher ein Problem, das Gegenstück am Auspuff zu finden.

Gruß
Christian Schupp
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Re: Neuzugang Sendling WS356 - diverse Fragen

Beitrag von walchi » So 29. Apr 2018, 17:15

da ich das fast gleichemodell habe aber zerlegt hab ich eine frage
könntest du mir ein paar gute bilder vom pleuel schicken?
mit ölfinger einbaulage und den schmierbohrungen am hubzapfen? :D das wäre super
mfg

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