Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Hier kommen Technische Fragen rein

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DavyJones
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Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon DavyJones » Di 3. Nov 2015, 17:48

Hallöchen und schönen guten Abend,
ich bin neu hier und stelle mich ambesten erstmal vor. Ich bin Dennis, mitte 20, komme aus dem Landkreis Hannover und habe eine 'kleine' Aufgabe vor mir. Von Beruf bin ich KfZ-Mechatroniker und im Oldtimer Bereich schon etwas länger aktiv.

In der Scheune eines Kumpels steht seit fast 20 Jahren ein alter Deutz MAH 914. Den möchte ich jetzt im Winter endlich wieder fit machen! Der Motor ist seit eben dieser Zeit teil zerlegt. Der Zylinderkopf wurde damals demontiert, warum weis ich leider nicht genau. Angeblich soll der Motor einmal zu heiß geworden sein - fest ist zumindest nichts, Buchse und Kolben sind nicht verrostet und alles lässt sich gut durchdrehen.
Vor ca. 2 Jahren habe ich den Zylinderkopf schon einmal zu einem Motoreninstandsetzer gebracht. Der Kopf wurde plan geschliffen und abgedrückt, Ventile und Ventilsitze wurden geschliffen, die Düse habe ich abgedrückt und die Vorkammer wurde demontiert und gereinigt.

Leider haben wir zu diesem Motor absolut keine Unterlagen. Deshalb wollte ich mir evtl. so eine Anleitung zulegen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dort auch Anzungsmomente und sowas drin stehen? Habe hier im Forum zwar einen Thread gefunden, in dem sie stehen, aber so ein Gesamtwerk wäre ja doch nicht schlecht.

Ich habe auf jeden 0Fall vor den Motor zu öffnen und den Kolben zu ziehen. Daher gleich einige Fragen, da ich mit diesen Motoren noch überhaupt keine Erfahrung habe.
1. Gibt es beim zerlegen irgendetwas besonderes zu beachten?

2. Wenn ich das richtig verstanden habe, haben diese Motoren eine trockene Laufbuchse. Wenn dem so ist, sollte ich diese wohl auch nur im äußersten Notfall ziehen oder? Wenn das überhaupt noch möglich ist nach 60 Jahren...

3. Wenn ich den Motor gereinigt habe, welches Öl kippe ich dann ambesten wieder auf? Da der Motor ja, glaube ich, nur einen Spalt Filter hat sollte man 'moderne' Mehrbereichs-Öle meiden, da dessen Additive Jahrzehnte lange Ablagerungen im Motor lösen können, habe ich gelesen. Ist dem so? Oder ist das bei diesen Motoren egal?

Achso, der Motor ist Baujahr '55 und wie gesagt ein MAH 914. Motornummer kann ich bei Interesse nachreichen. Auf dem Bild sieht er echt kläglich aus... Einen Frostschaden aber scheint er nicht zu haben. Das lässt ja schon mal Gutes hoffen! :)
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IMG-20151101-WA0004.jpg

Maschinenhaus
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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon Maschinenhaus » Di 3. Nov 2015, 18:30

Hallo

eine Datenliste für deinen MAH 914 findest Du beim Schwungrad-Versand ganz in deiner Nähe.

Gruß
Maschinenhaus

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Hans
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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon Hans » Mi 4. Nov 2015, 09:48

Hallo Dennis,
erst einmal auch von mir ein herzliches willkommen im Forum!
Dann will ich Dir mal ein paar Infos bzw. Erfahrungen zukommen lassen, die ich mit meinem MAH 914 gesammelt habe...
DavyJones hat geschrieben:Leider haben wir zu diesem Motor absolut keine Unterlagen. Deshalb wollte ich mir evtl. so eine Anleitung zulegen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dort auch Anzungsmomente und sowas drin stehen?

In der von Dir verlinkten BA/ETL findest Du darüber keine Angaben, mal abgesehen von der Tatsache, dass die wirklich wichtigen Schrauben bei diesem Motor nicht mit Drehmoment, sondern mit Winkelgraden angezogen werden.
Nützlich ist das Dokument trotzdem und Du solltest Dir eines zulegen.
Was Du brauchst ist ein Motordatenbuch. Das gibt's aber auch käuflich als Nachdruck zu erwerben, ich habe bloß den Link nicht mehr.

DavyJones hat geschrieben:1. Gibt es beim zerlegen irgendetwas besonderes zu beachten?

Na die Frage ist jetzt ein bisschen allgemein...
Immer schön vorsichtig halt. Erst überlegen, dann schrauben. ;)

DavyJones hat geschrieben:2. Wenn ich das richtig verstanden habe, haben diese Motoren eine trockene Laufbuchse. Wenn dem so ist, sollte ich diese wohl auch nur im äußersten Notfall ziehen oder? Wenn das überhaupt noch möglich ist nach 60 Jahren...

Was verstehst Du denn unter einer trockenen Laufbuchse? Von innen sollte da im Lauf schon Öl zur Schmierung sein, von außen Kühlwasser :mrgreen:
Ich würde erst einmal den Kolben raus holen und dann Kolben und Laufbuchse reinigen, inspizieren und vermessen. Die Ringe natürlich vom Kolben runter holen, ebenfalls reinigen und damit gängig machen. Dann kannst Du schon mal sehen, wie der Verschleiß ist. Vielleicht reicht da auch schon die Reinigung und das gängig machen und Du kannst mit dem überholten Zylinderkopf einen Kompressionstest machen, das musst Du sehen.
Das ziehen der Laufbuchse geht je nachdem ganz schön schwer, aber wenn Du Dir ein passendes Werkzeug dafür baust, klappt das schon. Anleitung dazu gibt's hier im Forum. Das solltest Du aber nur machen, wenn es erforderlich ist, z.B. zum ausdrehen für einen Übermaßkolben.

DavyJones hat geschrieben:3. Wenn ich den Motor gereinigt habe, welches Öl kippe ich dann ambesten wieder auf? Da der Motor ja, glaube ich, nur einen Spalt Filter hat sollte man 'moderne' Mehrbereichs-Öle meiden, da dessen Additive Jahrzehnte lange Ablagerungen im Motor lösen können, habe ich gelesen. Ist dem so? Oder ist das bei diesen Motoren egal?

Was die Verwendung von Ölen angeht, streiten sich die Geister...
Manche Motorenbesitzer kippen moderne Mehrbereichsöle rein, manche nicht und jeder hält seine Methode für die beste und kann sie irgendwie begründen.
Original kommen nur unlegierte Einbereichsöle rein, je nach Umgebungstemperatur in verschiedenen Viskositäten.
Das Problem bei den modernen Ölen ist wohl eher, dass Abrieb und Dreck in der Schwebe gehalten werden und somit immer wieder durch den Motor gepumpt werden. Bei den unlegierten Ölen lagern sich diese Stoffe ab.
Der Motor hat halt nicht wirklich einen Ölfilter sondern nur ein Sieb vor der Ölpumpe.

Viel Spaß und stell' mal ein paar Bilder ein von Dem Motor.
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Grüßle,
Hans

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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon öllappen » Mi 4. Nov 2015, 10:00

moin , wiikommen im forum . ich freue mich das du zu uns gefunden hast . viele grüsse von der nordseeinsel sylt ,öllappen ich habe leider keinen deutz ,sowie unterlagen dafür . gruss öllappen
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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon Reform » Mi 4. Nov 2015, 10:09

Er meint mit trockener Laufbuchse, daß diese nicht direkt vom Kühlwasser umspült wird sonder im Gehäuse steckt. Ist hier nicht der Fall- nasse Buchse.
Ist halt kein Wabant :-)

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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon Benny-Boxer » Mi 4. Nov 2015, 10:14

Willkommen im Forum, Gruß aus Sachsen ;)

wegen deiner Anfrage zum Öl- mein Tipp

Deine Bedenken zur Laufbuchse - Ziehen und Dichtungsring wechseln, ich habe das schon zwei mal Nachträglich nach Fertigstellung eines Motors gemacht :roll:
folgende Überlegung 1. du hast einen Motor der schon einige Jahre auf dem Buckel hat, 2. Gummi wird mit den Jahren nicht besser, 3. Laut Vorbesitzer soll er mal heiß geworden sein, 4. bist eh beim Zerlegen ;)

Anleitungen, Bilder Werkzeug findest du in den Restaurationstagebüchern der Deutz Motoren hier im Forum.

Beispielwo die Messlatte ziemlich hoch hängt ;)
genauso wie wie hier

MfG B-B
und gutes gelingen
Ein Schlag auf den Kopf, erhöht das Denkvermögen
aber löst auch so manche Schraube.


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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon Christoph » Mi 4. Nov 2015, 21:00

hallo,
habe jetzt schon drei,vier 914er in der mache gehabt und meine erfahrungen zum öl sind die gleichen wie hans schon beschrieben hat.
30er unlegiertes einbereichsöl wenn du nicht gerade ein winterfan bist :lol:
den kolben würde ich auch auf jeden fall ziehen, die ringe sind oft festgebacken :!: der kolben wird übrigens richtung kurbelraum entnommen. :geek:
den zylinder würde ich nur ziehen wenn es unbedingt sein muss. wenn entweder der dichtring kaputt ist oder die buchse total ausgenudelt ist :!:
daher den kopf mit provisorischer dichtung montieren wasser bis oben hin und über mehrere tage im gereinigten kurbelraum schauen ob wasser durchsickert.
mit der kolbenbüchse würde ich auch eher pragmatisch zu werke gehen. wenn dein motor nur zum spass ab und zu laufen soll und keine höchstleistungen mehr vollbringen muss würde ich sie nicht ausschleifen lassen. kostet nur ne menge asche. bei dem motor auf meiner säge musste die buchse auf drei übermase auf einmal aufgebohrt werden damit sie wieder rund war :o der motor lief vorher aber trotzdem sauber und rund, bloss hatte er eben nicht mehr die volle leistung.
die teile laufen unter den tollsten bedingungen.
soo ich hör ja schon auf :roll:
hoffe du bekommst den motor bald zum laufen
gruss christoph

Maschinenhaus
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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon Maschinenhaus » So 8. Nov 2015, 22:19

Hallo DavyJonas

http://www.schwungrad-versand.de/techni ... toren.html

d11.jpg
d11.jpg (86.4 KiB) 2326 mal betrachtet


Gruß
Maschinenhaus

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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon DavyJones » So 15. Nov 2015, 21:54

Hallo nochmal und Danke für die vielen Antworten! :)
Das Schmuckstück haben wir heute in meine Garage verfrachtet. Ich habe mir von meinem Kumpel nochmal bestätigen lassen, dass der Motor tatsächlich einmal überhitzt hat und sogar stehen geblieben haben soll - also rechne ich mal mit dem Schlimmsten.

Eine Frage ist mir allerdings noch aufgekommen: Beim überholen des Zylinderkopfes hat der Motoreninstandsetzer die Bohrung für die Vorkammer nachgearbeitet und mir die Information mitgegeben, dass der Vorkammer-Überstand evtl. ausgeglichen werden muss, da dessen Sitz nachgefräst wurde. Jetzt meine Frage:

Muss dieser Überstand peinlichst genau stimmen oder gibt es da ein festes Maß, dass auf keinen Fall überschritten werden darf? Wenn ja, gibt es dann auch entsprechende Ausgleichsscheiben? Oder genügen einfache Kupferringe?

DavyJones
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Re: Deutz MAH 914: Erste Instandsetzung nach 60 Jahren

Beitragvon DavyJones » Mo 16. Nov 2015, 19:43

So, der Motor ist jetzt zur Hälfte zerlegt. (Ich hoffe der Doppelpost ist okay, habe bis jetzt noch nicht herausgefunden, wo man seine alten Beiträge editieren kann?!)

Kolben ist Raus und alle Anbauteile außer die Einspritzpumpe sind abgebaut. Meine Vermutung hat sich auch bestätigt: Alle Kolbenringe waren festgebacken. Aber scheinbar nicht durch Materialabtrag, sondern durch Ruß oder Ölkohle. Starke Fressstellen konnte ich am Kolben noch keine wirklich schlimmen ausmachen, allerdings ist das im ungewaschenen Zustand auch ziemlich schwer. Deshalb nehme ich morgen erstmal alles mit zur Arbeit und mache die Teile so gut es geht sauber.
Dazu kommt allerdings noch ein zweites Problem: Scheinbar hat sich in der langen Standzeit des Motors Wasser im Kurbelgehäuse angesammelt. Der Hubzapfen an der Kurbelwelle hat deshalb teilweise wirklich unschöne Stellen, an der die Feuchtigkeit in den letzten 20 Jahren genagt hat. Kurbelwelle ausbauen ist aber ausgeschlossen, dass würde sich einfach nicht lohnen, da der Motor wahrscheinlich nie wieder unter Last laufen wird.

Der Kolben hat das Maß 99,87. Jetzt bräuchte ich dafür natürlich einen Satz neue Kolbenringe. Wenn Jemand noch ein Pleullager liegen hat (Kurbelwellen-seitig) kann man sich ja mal melden. :)
Achja, welcher Dieselfilter kommt denn in das Filtergehäuse? Gibt es da einen Filter für alle Motoren oder muss ich exakt den nehmen der auch drin war?


 


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