Vorgehensweise Lager testen

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lutzemue
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Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon lutzemue » Mo 26. Okt 2015, 08:20

Hallo,

ich bin gerade dabei einen Deutz MAH914 aufzuarbeiten. In diesem Deutz sind Zylinderrollenlager als Hauptlager verbaut. Wie geht man nun vor, um zu testen oder zu beurteilen ob die Lager noch zu gebrauchen sind oder ob sie erneuert werden müssen? Also wie macht Ihr das, kann man etwas messen oder dreht man und hört oder oder oder? Bin gespannt auf die Antworten.

Gruß Lutz
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ackerschiene
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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon ackerschiene » Mo 26. Okt 2015, 09:44

Am Einfachsten ist es, z.B. das Pleuel abzubauen und dann den Motor von Hand schnell durchzudrehen.
Dazu sollten die Stößelstangen auch entnommen werden (sind ja vermutlich eh draußen, wenn das Pleuel draußen ist) und die E-Pumpe (weil die, bzw. ihre Betätigung auch Geräusche verursachen)
Dann auf die Geräusche achten, die entstehen, bis der Motor wieder steht. Damit kann man ermitteln, ob Pitting auf den Rollen oder den Laufringen vorhanden ist.
Das geht so am besten, weil dann die Last der Schwungräder noch auf die Lager drückt.

Wenn bereits fühlbares Spiel im Lager ist, ist es natürlich sowieso Schrott, egal, wie es sich anhört.

Gruß, Uwe
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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon lutzemue » Mo 26. Okt 2015, 10:43

Hallo Uwe,

der Motor ist bereits zerlegt. Ein fühlbares Spiel ist nicht zu erkennen. Welche Bezugsquelle nutzt Ihr für diese Rollenlager?

Danke und Gruß

Lutz
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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon ackerschiene » Mo 26. Okt 2015, 12:59

Ich würde es bei der bösen Bucht oder dem Kleinanzeigenanbieter der selben Firma versuchen. Habe schon mehrfach günstig sowas aus altem Lagerbestand gekauft.
Ansonsten im Normteilehandel/Industriebedarf. Sind aber schon recht teuer, die Dinger.
Schade, dass es schon ausgebaut ist. Man nutzt dabei nämlich den Motor als Resonanzkörper, der die Geräusche verstärkt.
So bleibt nur noch Sichtprüfung auf Pitting oder eben, wie es dir wohl vorschwebt, sofort Ersatz.

Gruß, Uwe
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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon gft » Mo 26. Okt 2015, 21:33

Die Geräuschprobe ist sicherlich die beste Art der Prüfung!
Wenn nicht möglich bleibt nur die optische Beurteilung!
Dazu penibel reinigen und schauen, aber wohin und wie?

Am stärksten belastet sind die Rollen oder Kugeln, weil deren Oberfläche die kleinste ist und damit der Druck pro Fläche der höchste ist!
Auch ist die Belastung durch die wiederkehrende Kontaktierung bei den kleinen Durchmessern bei den Bauteilen am höchsten!
Das Problem bei der Beurteilung ist allesdings bei den stark gebogenen Flächen die Erkennbarkeit von Schäden!
Das ist schwierig möglich!

Besser geht das am nächsten darauf folgenden Bauteil, der Innenbahn!
Diese ist Flächen und Umfangsmäßig der Rolle oder Kugel als nächstes folgend und viel besser zu prüfen!
Dort schaut man zwischen die Rollen auf die Bahn!
Ist sie glatt gänzend, so ist das Lager gut!
Eine beschädigte Rolle oder Kugel schmirgelt die Fläche sehr schnell stumpf, lange bevor an der Außenbahn was zu sehen ist!

Durch die Verwendung größerer Rollen geht die Druckbelastung pro Fläche zurück, aber es entsteht ein anderes Problem! Die unter Druck stehenden Rollen wollen alle in eine Richtung drehen, klar! Dadurch ergibt sich zwischen den Rollen die doppelte Oberflächengeschwindigkeit wie die einzelne Rolle selber, welches leicht zum Ölfilmabriss führt! Aus diesem Grund sind oft Käfige drin, um die Rollen oder Kugeln auf Abstand zu halten!

Schwingungen und Stoßbelastungen können diese aber zerstören und dann sind zu wenig Rollen bzw Kugeln zwischen den beiden Bahnen!
Bei teueren Speziallagern nimmt man anstatt der Käfige besser Zwischenrollen, welche ein paar Hundertstel düner sind und somit ausgleichend rückwärts drehen können!
Diese Lager sind allerdings nur in handverlesener Herstellung zu haben, also nix Massenware!!!

Bleibt als letzte Verschleißgröße noch der Bahnlängenunterschied zwischen der Außenbahn und der Innenbahn, was zur Restreibung führt!
Diese ist an der Innenbahn zur Rolle hin höher, weil die Radiendifferenz dort größer ist, also Kontaktfläche kleiner, ergibt mehr Reibung!

Das ist genug Theorie, also Spiegelglatte Innenbahn, recht gute Change das alles gut ist, sonst lieber raus damit,..... :mrgreen:

Viel Glück damit,
Gruß,
Dieter

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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon lutzemue » Di 27. Okt 2015, 10:55

Hallo,

Danke Dieter für die ausführliche Theorie. Das verstehe ich alles und macht natürlich Sinn. Ich bin Im Moment auf der Suche diese Lager günstig zu bekommen. Denn wenn ich 280 € für ein Lager ausgeben soll ist das fürs Hobby ein sehr großer Posten. Deshalb habe ich mir folgende Vorgehensweise gedacht. Nach optischer Prüfung sind die Lager noch ziemlich gut. Wenn ich den Motor aber nun mal auseinander habe bin ich eher dazu geneigt neue einzubauen. Wenn ich also die Lager für einen erschwinglichen Preis bekomme werde ich sie tauschen. Wenn nicht bleiben die drin. Denn der Motor wird bei mir dann nur für Vorführungszwecke benutzt und das ist maximal 2 bis 3 mal im Jahr für 2 bis 3 Stunden. Und das sollten die Lager eigentlich auch noch machen.

Aber seht selbst, denn ich habe mal ein paar Fotos gemacht:

DSC_0400.JPG
DSC_0400.JPG (120.97 KiB) 1869 mal betrachtet


DSC_0401.JPG
DSC_0401.JPG (117.8 KiB) 1869 mal betrachtet


DSC_0402.JPG
DSC_0402.JPG (172.95 KiB) 1869 mal betrachtet


Lager noch nicht gereiningt! :oops:

Gruß Lutz
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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon ackerschiene » Di 27. Okt 2015, 11:47

Na so kannst Du doch wunderbar alles sichtprüfen !
Man sieht auf den Innenringen, dass die Lager schon etwas Schmutz zermahlen haben und deshalb so matt sind, wie gft schrieb.
Die Rollen selbst sehen aus dem (ungünstigen) Blickwinkel ganz gut aus, wenn das auf 9 Uhr (Bild 3) nur ein Schmutzfleck und kein Oberflächenschaden der Rolle ist.... .
Wenn die Rollen rundherum gut aussehen, würde ich ein solches Lager weiterverwenden. Sicher hattest du doch vor dem Zeregen den Motor auch schon mal gedreht, schlimme Geräusche wären dir doch aufgefallen, oder ?

Gruß, Uwe
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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon lutzemue » Di 27. Okt 2015, 12:49

Ja, also was ganz schlimmes war nicht zu hören. Habe aber jetzt auch nicht spezifisch danach gehört. Eigentlich wollte ich den Motor nur zerlegen weil er draußen im Freien Stand und als Ersatzteilspender nutzen. Beim zerlegen aber bin ich immer mehr überrascht worden wie gut die Substanz eigentlich ist und dann wars mal wieder um mich geschehen und der Endschluss des Wiederaufbaus wurde gefasst. Aber: und das allen Unkenrufen zum Trotz, und weil ich schon einige "Naturburschen" habe wird dieser gestrahlt und lackiert.

Ach so, der Fleck ist nur Dreck.

Gruß Lutz
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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon Christian Rady » Di 27. Okt 2015, 13:29

Moin Lutz!

Wenn ich die Lagernummern wüsste, könnte ich mal in meinem Bestand nachschauen. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht...
In meiner 914er ETL sind ein Rollen- und ein Kugellager angegeben :o ... gibt's da Serienunterschiede :?:

Grüße ausm Barnim!

Christian
Mitglied der IG-HM, Interessengemeinschaft Historische Motoren Deutschland.

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Re: Vorgehensweise Lager testen

Beitragvon lutzemue » Di 27. Okt 2015, 15:29

Hallo Christian,

auf dem Lager steht 4 NU 12 von SKF. Die Maße sind Innen 60, Außen 150 und Breite 35. In den listen findet man allerdings nur die Bezeichnung NU412. Und ja irgendwie habe ich das Gefühl das es auch zei unterschiedliche Lagertypen sein können. denn das eine hat einen Innenring mit einem Ansatz und das andere nicht. Ich habe das auf der linken Seite (Kopf ist vorne) noch nicht ausgebaut. Bei den beiden Bilder der Innenlaufflächen sieht man die beiden verschiedenen Innenringe. Es sind aber beides Rollenlager.

Gruß Lutz
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