öldruck vs ölmenge

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walchi
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öldruck vs ölmenge

Beitragvon walchi » Mi 9. Aug 2017, 12:34

hallo zusammen :D
da ich auf ein neues pumpenelement warten muss für meinen 322er hab ich mich mit ein paar fachbüchern zwecks der versch. schmierthematiken auseinandergesetzt und bin dort dann auf ein immer auf die gleiche grundsatzfrage gekommen bei der ihr mir und auch anderen mitgliedern mit euren erfahrungen helfen könntet :)

wie im betreff geschrieben frage ich mich was für gleitgelagertemotoren rein für das lager wichtig ist.
in den meisten fachunterlagen steht insbesondere bei der druckumlaufschmierung immer ein mindestöldruck dabei. ich vermute allerdings dass dieser jeweilige systemdruck notwendig ist um im schmierkreislauf alle lagerstellen zuverlässig mit öl zu versorgen dass auch das letzte lager noch genug bekommt da die eigentliche schmierung ja hydrodynamisch erfolgt und dafür eine ausreichend große menge öl zur verfügung gestellt werden muss damit sich der schmierkeil bildet.
vor allem bei andere konstruktionen wo die lager nur fangtaschen haben wo das öl drucklos reinsickert kommt es anscheinend auch nur auf die bereitgestellte menge an sonst müssten die lager ja sofort verreiben :lol:

wie schaut es jetz aus wenn bei druckumlaufschmierung(ich nehme jetzt mal aus gegebenen anlass als bsp meinen 322er her) alle lager und schmierstelln mit mehr ausreichend öl versorgt werden aber ein sehr geringer öldruck im system selbst herscht (volumen hoch/ druck klein)
wie notwendig ist bei einfachen schmierkreisläufen der öldruck wenn zuvor genannte faktoren wie ausreichende menge mitspielen? bei vielen deutz oder warchalowski sind ja auch nur stößelpumpen verbaut die nicht kontinuierlich fördern und auch nicht mit sonderlich viel druck .
vlt könnt ihr hier für durchblick sorgen :D

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Re: öldruck vs ölmenge

Beitragvon motorenbau » Do 10. Aug 2017, 09:09

Hallo

Bei Druckumlaufschmierung handelt es sich in der Regel im hydrostatische Schmierung, d.h. das Öl in der Lagerstelle soll zu einem "Aufschwimmen" des Lagers sorgen und Materialkontakt und damit "Mischreibung" verhindern. Hydrodynamische Schmierung dient hier nur als Notlaufeigenschaft, z.B. beim Motorstart. Weil das Lagerspiel aber entsprechend anders ausgelegt werden muss, funktioniert das Ganze nur bedingt. Bei größeren Motoren wird daher vor dem Anlassen immer Öl vorgepumpt, damit die Lager sofort "schwimmen". Die zuverlässige Versorgung aller Lagerstellen ist ein ganz anderes Thema. Ich hatte mal einen Schleppermotor, der am Manometer den korrekten Öldruck anzeigte, die Pleuellager waren aber so stark verschlissen, dass an den Kipphebellagern gar kein Öl mehr kam...
Da es wiegesagt eine hydrostatische Schmierung ist, ist er Druck wichtiger als der Volumenstrom. Daher wird der Schmieröldruck ja auch über ein Ventil geregelt. Der Volumenstrom stellt sich dann durch die Lagerspiele von selber ein, die Belastbarkeit des Lagers ist aber (in gewissen Grenzen) nur vom Öldruck abhängig. Zuviel Öldruck ist übrigens auch nicht gut, weil dadurch das Lager geweitet wird. Problematisch wird es eigentlich erst, wenn das Lagerspiel so groß wird, dass der Volumenstrom der Ölpumpe nicht mehr ausreicht, um den korrekten Schmieröldruck zu erreichen. Das äußert sich dann mit dem bekannte Klappern/Klopfen der Pleuellager.

Plunger-Ölpumpen können durchaus höhere Schmieröldrücke liefern. Die Ölpumpe von einem MWM KD15 liefert durchaus einen konstanten, wenn auch stark pulsierenden Öldruck von 1-2 bar.

Ich hoffe, Deine Fragen sind damit beantwortet.

Gruß
Christian
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Re: öldruck vs ölmenge

Beitragvon walchi » Do 10. Aug 2017, 11:16

sehr aufschlussreich vielen dank :)
nur das mit der hydrostatischen schmierung bei normalen druckumlauf systemtem wundert mich dann doch da in div. schnittzeichnungen hydrostatlager einen anderen aufbau aufweisen als gewöhnliche gleitlager in gleichen schmiersystemen.

einen anhang noch rein interesse halber da ich folgendes noch nie live gesehen habe sonderm nur auf videos: beim mah 222 oder auch manch anderen großen mih sind schmierapparate verbaut...diese bauen zwar je nach konstruktion die ich gefunden hatte druck auf aber wie wirkt sich das hier auf die lagerungen aus?

ich kenn mich mit schmietsystemen im allg. aus u d auch deren theoretische grundlagen aber die praktische umsetzung und anwendung ist dann doch weit interessanter :mrgreen:
und nochmals danke für die ausführliche antwort.

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Re: öldruck vs ölmenge

Beitragvon walchi » Do 10. Aug 2017, 11:21

anhang wegn schmierapparat: ich vermute doch stark dass diese nur eine kleine menge je umdrehung des apparates an di jeweilige stelle pumpen und somit das lager eig. mit dem rest bis zur nächsten förderung auskommen muss

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Re: öldruck vs ölmenge

Beitragvon motorenbau » Fr 11. Aug 2017, 07:58

Hallo

Bei Tropfölern oder Schmierapparaten liegt immer hydrodynamische Schmierung vor! Wenn Du mit Plunger-Ölpumpen Schmierapparate wie z.B. Bosch-Öler gemeint hast, habe ich Dich falsch verstanden.

Beide Schmierarten sind bei Motoren möglich und wurden auch benutzt. Aber das Lager muss anders ausgelegt werden.

Gruß
Christian
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